Künstliche Intelligenz ist gekommen, um zu bleiben. Und im Marketing verspricht sie so einiges: mehr Effizienz, mehr Kreativität, mehr Output.
Aber wie sieht das wirklich im Alltag aus? Was bringt KI, wenn der erste Hype verflogen ist – und der Kalender trotzdem voll, die Zielgruppe anspruchsvoll und der nächste Post eigentlich gestern fertig sein sollte?
Dieser Artikel ist ein Reality-Check – mit positivem Ausgang. Denn: Wer KI sinnvoll einsetzt, kann sich nicht nur Arbeit sparen, sondern sogar besser arbeiten als zuvor.

Das Problem: KI ist überall – aber nicht überall hilfreich
Feed öffnen, scrollen, Buzzword-Bingo spielen: „Automated AI Marketing Magic“ „Generate 100 posts in 2 minutes“ „AI-powered Content at scale“
Klingt gut – funktioniert in der Praxis oft nur mittelprächtig, denn Marketing ist kein Zahlenpuzzle. Es lebt von Zielgruppenverständnis, Timing, Tonalität, Kontext – und das kann KI (noch) nicht alleine leisten.
Viele Tools liefern schnelle Ergebnisse, aber keine relevanten.
Die Folge: Überarbeiten, Nachschärfen, nochmal machen. Und plötzlich ist die gewonnene Zeit wieder weg.
Die Lösung: KI gezielt einsetzen – da, wo sie wirklich hilft
KI ist dann ein Gamechanger, wenn sie den kreativen Prozess unterstützt, nicht ersetzt. Hier sind drei Anwendungsfelder, die sich in der Praxis wirklich bewährt haben – inklusive kreativer Beispiele.
1. Ideen & Text mit ChatGPT – nie mehr leere Seiten
Egal ob Social Media Post, Blogstruktur oder alternative Headlines – ChatGPT liefert schnell Input, wenn das eigene Gehirn gerade auf Standby steht. Nicht perfekt, aber: eine verlässliche Starthilfe.
Use it for:
- Textvarianten und Tonalitätsvergleiche (z. B. sachlich vs. locker, deutsch vs. englisch)
- Ideen für Newsletter-Betreffzeilen mit hoher Klickrate
- Aufbau von Präsentationen oder Strukturvorschläge für E-Books
- Erstellung von Interviewfragen für Content-Formate oder Kundengespräche
Pro-Tipp: Nutze die P.A.S.T.E.-Methode für effektive Prompts:
- Position: Wer spricht? (z. B. „Du bist eine erfahrene Texterin für das Marketing“)
- Aufgabe: Was soll getan werden? (z. B. „Schreibe 3 Betreffzeilen für einen Newsletter“)
- Spezifikationen: Für wen und in welchem Stil? (z. B. „für Frauen zwischen 30–50, freundlich und direkt“)
- Tonalität: Wie soll es klingen? (z. B. „optimistisch und handlungsorientiert“)
- Ergebnisformat: Was soll zurückkommen? (z. B. „Bulletpoints mit Emojis“)
Beispiel-Prompt: „Du bist eine erfahrene Texterin für das Marketing. Schreibe 3 Betreffzeilen für einen Newsletter für Frauen zwischen 30–50, im optimistischen Stil, als Bulletpoints mit Emojis.“
2. Visuals & Ideen mit DALL·E – schneller zu Konzepten
DALL·E ist kein Ersatz für Design-Expertise, aber ein extrem gutes Tool für visuelle Denkanstöße. Perfekt für Moodboards oder „Wie könnte das aussehen?“-Momente.
Use it for:
- Mockups für ein geplantes Event-Setup (z. B. wie ein Messestand aussehen könnte)
- Visualisierung von abstrakten Konzepten wie „Digital Detox“ oder „Technologie & Natur“
- Entwürfe für Social-Media-Kampagnen, die mutige Bildsprachen testen
- Entwicklung eines Bildstils, bevor man an echte Shootings geht
Prompt-Formel für DALL·E: I.D.E.A.
- Idee: Was soll dargestellt werden? (z. B. „Ein urbaner Garten auf einem Hochhausdach“)
- Detailgrad: Welche Details sollen drin sein? (z. B. „mit Solarpanels, Sitzmöbeln und Stadtblick“)
- Emotion: Welche Stimmung? (z. B. „ruhig, inspirierend“)
- Artstyle: Welcher Stil? (z. B. „digitale Illustration, pastellfarben“)
Beispiel-Prompt: „Ein urbaner Garten auf einem Hochhausdach mit Solarpanels, Sitzmöbeln und Stadtblick. Es soll ruhig wirken und eine digitale Illustration sein.“
3. Adobe Firefly & Photoshop mit Generative Fill – kreative Booster
Die Integration von KI in Adobe-Tools hat den Design-Workflow spürbar verändert. Hintergründe erweitern, Objekte ergänzen, Varianten testen – alles schneller, intuitiver, experimenteller.
Use it for:
- Erweiterung von Produktbildern für Onlineshops (z. B. um sie in passende Umgebungen zu setzen)
- visuelle „Was wäre wenn“-Szenarien für Packaging-Designs
- Prototyping von Layouts oder Bannern ohne aufwändiges Freistellen
- kreative Spielwiesen zum Austesten neuer Stilrichtungen oder Farbkombinationen
Erfolgsformel: E.X.P.A.N.D. für Firefly & Generative Fill
- Element wählen: Welcher Bereich im Bild soll verändert werden?
- Xplore: Welchen Effekt willst du ausprobieren? (z. B. Atmosphäre, Kontrast, Hintergrundtiefe)
- Positionieren: Nutze gezieltes Maskieren, um gezielte Bereiche zu bearbeiten
- Anweisungen geben: Beschreibe präzise, was hinzugefügt oder ersetzt werden soll
- Nachjustieren: Lass mehrere Versionen generieren und vergleiche
- Designcheck: Passt das Ergebnis zur CI, zur Zielgruppe, zum Kanal?
Beispiel-Anwendung: Ein schlichtes Produktbild wird durch generative Füllung in eine passende Umgebung gesetzt – etwa ein Lichtschalter in einer modernen Küche, in einem Loft oder in einem Kinderzimmer.
So machst du KI wirklich zu deinem Booster
- Setze KI dort ein, wo sie dich entlastet – nicht einfach überall.
- Integriere sie in deinen bestehenden Workflow, statt um sie herumzuplanen.
- Verstehe die Tools – aber verlass dich nicht blind auf sie.
- Nutze sie als Startpunkt, nicht als Endergebnis.
KI funktioniert am besten im Zusammenspiel mit deiner Expertise. Sie ist ein Assistent, kein Autopilot.
Fazit: KI ist kein Hype – wenn du weißt, was du damit tun willst
Künstliche Intelligenz ersetzt keine Strategie, keine Kreativität, kein Feingefühl. Aber sie kann dir helfen, genau das schneller, strukturierter und mit weniger Reibungsverlust zu erreichen.
Wenn du sie nicht als Wundermaschine, sondern als Werkzeug in deinem (Marketing-)Arsenal verstehst, wirst du mit KI:
- weniger Zeit verlieren
- mehr kreative Impulse bekommen
- bessere Ergebnisse liefern
Und das ist dann eben nicht nur ein Trend – sondern ein echter Fortschritt.
